„Die Polizei in München hat meine Mutter Margit hilflos herumirrend aufgegriffen und ich, Britta, bin das einzige Kind. Dass ich in Hamburg wohne und nichts mit meiner Mutter zu tun haben will, geschenkt. Margit wohnt noch immer allein in der Riesenvilla, die einmal herrschaftlich war und jetzt heruntergekommen ist. Es kam mir früher schon paradox vor, dass wir in einer so großkotzigen Villa wohnten, aber nie Geld hatten. Weshalb hat meine Mutter das Haus nie verkauft?
Britta kehrt zurück in das Haus ihrer Kindheit, entschlossen, ihre an Alzheimer erkrankte Mutter so schnell wie möglich ins Heim zu stecken. Doch seltsame Bemerkungen ihrer Mutter lassen sie neugierig werden. Welches Geheimnis wird in ihrer Familie seit Jahrzehnten totgeschwiegen? Welches Rätsel birgt dieses Haus, das nie verkauft werden durfte? Als Britta die Wahrheit herausfindet, ist sie tief erschüttert. Aber sie kann ihre Mutter endlich verstehen.
Eine Familiengeschichte über drei Generationen, die mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten beginnt.





marielu –
Dunkle Familiengeheimnisse
Zum Inhalt:
Britta ist gerade im Begriff, einen beruflichen Neuanfang in Hamburg zu beginnen, als sie von der Polizei aus München angerufen wird. Ihre Mutter irrte hilflos in Hamburg umher. Als einziges Kind muss Britta nun die Verantwortung für ihre demenzkranke Mutter übernehmen. Die Rückkehr in die Villa ihrer Kindheit sieht sie mit gemischten Gefühlen entgegen, da sie zu ihrer Mutter Margit nie ein gutes Verhältnis hatte. Um für die Kosten einer Heimunterbringung aufzukommen, erwägt sie den Verkauf der großen Villa, doch Margit weigert sich mit den Worten, sie habe ihrer Mutter versprochen, dieses Haus nie herzugeben, denn es sei schon seit Jahrhunderten im Familienbesitz. Doch ihre Nachforschungen, die zurückführen in die Zeit des Nationalsozialismus und zu ihren Großeltern Karl und Elisabeth, ergeben ein anderes Bild. Welches erschütternde Geheimnis umgibt ihre Familie?
Meine Meinung:
Der Anfang des Buches erinnerte mich zunächst an ein anderes Buch, das so ähnlich beginnt, doch die Geschichten sind völlig anders. Authentisch stellt die Autorin dar, wie das junge Ehepaar Karl und Elisabeth voller Glück in die Großstadt zieht und sich den Lebensunterhalt als einfache Leute verdient. Der Beginn des Nationalsozialismus bringt für Karl den großen Aufstieg. Verführt durch die falsche Ideologie voller Hass, ermöglicht es sein unmenschliches Handeln. Für Elisabeth jedoch birgt es emotionale Qualen, die bis in die dritte Generation reichen. Mich hat vor allem Elisabeths Schicksal tief berührt, auch wenn ich zuerst nicht begriffen habe, warum sie, nachdem sie so einiges erfahren hatte, keinen besseren Kontakt zu ihrer Tochter aufbauen konnte. Später war es für mich nachvollziehbar und ich spürte förmlich, in welche zusätzliche Verzweiflung dies Elisabeth stürzte.
Aber auch Margit hat es nicht leicht. Die ersten Jahre, aufgewachsen und erzogen im nationalsozialistischen Sinn, zerbricht ihre Welt am Ende durch die Wahrheit, die auch das Verhältnis zu ihrer Tochter Britta überschattet. Erst durch die beginnende Demenz von Margit gelingt es Britta, das Schicksal ihrer Familie zu ergründen, und sie beginnt, ihr eigenes Leben zu überdenken und sich mit ihrer Mutter auszusöhnen.
Zwar ist dies ein fiktionaler Roman, doch genauso könnte es gewesen sein.
Das Er-Leben dieser Frauen wurde so realistisch dargestellt und hat mich emotional stark eingebunden, sodass mich die unterschiedlichsten Gefühle während des Lesens begleitet haben.
Eine Geschichte, die an die bisher dunkelste Zeit Deutschlands und ihre Folgen erinnert und die ich gerne weiterempfehle, um Bewusstsein zu schaffen, dass so etwas nie wieder passieren darf.
Fazit:
Ein Roman, der auffordert sich stets unserer Vergangenheit und Verantwortung bewusst zu sein und menschlich zu bleiben.
Nicht verifizierter Kauf. Mehr Informationen
zeilen_drama –
Eine Familiengeschichte die im Jahr 2023 beginnt und über drei Generationen, bis hin zur Machtergreifung der NS, führt.
Britta, Tochter einer an Demenz erkrankten Mutter, nimmt den Leser mit in ihren Alltag, ihre Kindheit und Gefühlswelt. Erst nach und nach gelingt es ihr, alte Traumas aufzudecken die ihre Mutter zeitlebens geprägt haben und ihren Ursprung bei den Großeltern findet und der deutschen Geschichte geschuldet ist.
Der Roman ist klug und authentisch geschrieben. Die Zeitsprünge sind klar in Kapitel mit Person und Jahreszahl unterteilt, so dass es leicht fällt den Handlungen zu folgen. Die Protagonisten sind so klar und authentisch und hinterlassen das Wissen, das es beliebige Personen einer Zeitepoche sind. So viele andere mussten dies Schicksal teilen…
Ich bin dankbar für jeden Autor*innen, der diesen Part der deutschen Geschichte aufnimmt.
Am Ende des Buches sind erklärende Anmerkungen der Autorin zu finden mit dem wohl wichtigsten und brandaktuellen Satz:
„NIE WIEDER IST JETZT“ !
Nicht verifizierter Kauf. Mehr Informationen
Julia Gilfert –
Ich habe “Das Haus der Goldmanns” praktisch in einem Rutsch durchgelesen. Wenngleich es eine fiktive Geschichte ist, gab es darin sehr viele Gemeinsamkeiten mit meiner eigenen, realen Familiengeschichte. Das Buch zeichnet sich nicht nur durch hervorragende Recherche und ein gutes Gespür für sensible Themen (NS-Zeit und Täterschaft, Alkoholismus, Demenz), sondern auch durch seine im positiven Sinne schlichte und klare Sprache aus. Die Anzahl der Protagonist/innen ist überschaubar und auch das ist eine Stärke dieses Buches. Statt vieler aufwendig verstrickter Einzelschicksale trifft man hier immer im Wechsel auf zwei (später drei) Frauen einer Familie, die im Fokus stehen. Zunächst sind dies Elisabeth und Britta, die, wie recht schnell klar wird, Großmutter und Enkelin zueinander sind. Später kommt auch Margit, Elisabeths Tochter und somit Brittas Mutter, hinzu, die wir zuvor bereits als hochbetagte Frau kennengelernt haben, die an einer Demenz erkrankt ist.
Claudia Kaufmann hat es geschafft, mit einer fiktiven Geschichte auf die zahlreichen vererbten Traumata hinzuweisen, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit in so vielen Familien von einer Generation an die nächste weitergegeben wurden. Elisabeth und ihr Mann Karl lassen die Lesenden verstehen, wie Menschen zu Täter/innen und zu Mitläufer/innen wurden und auch, welche inneren Kämpfe sie ausfechten mussten, wenn sie dem Regime kritisch gegenüberstanden. An Margit und auch an Britta wird deutlich, wie sich Orientierungslosigkeit und der Wunsch nach Vergessen und nach Abspaltung im wahrsten Sinne des Wortes fortpflanzen (“…bald waren sie ziemlich betrunken. Ein völlig neues Gefühl, von dem Margit nicht wusste, ob es ihr gefiel. Aber es ließ die Wirklichkeit verschwimmen, sorgte dafür, dass man sich etwas außerhalb der realen Welt befand. Das mochte Margit, denn welchen Platz sie in der realen Welt einnehmen sollte, das wusste sie nicht.”).
“Das Haus der Goldmanns” ist ein wichtiges Buch, gerade in der heutigen Zeit, das ohne detaillierte Schilderungen des nationalsozialistischen Grauens auskommt und einen trotzdem tief trifft und nachhaltig berührt.
Verifizierter Kauf. Mehr Informationen